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BGE 105 IV 286 Generato dall'IA

Swiss Federal Supreme Court on Nullity Appeals in Administrative Criminal Law and PTT Standing

Numero d'incarto BGE 105 IV 286
Autorità giudiziaria
Giurisdizione Svizzera · Tribunale federale (TF / DTF) (CH)
Esito del giudizio Inammissibile (Inadmissible)

Sintesi Legislator

Generato dall'IA

Swiss Federal Supreme Court on Nullity Appeals in Administrative Criminal Law and PTT Standing In a matter concerning administrative criminal law proceedings, the Swiss Federal Supreme Court addressed the admissibility of a nullity appeal (Nichtigkeitsbeschwerde) filed by the involved federal administration (PTT General Directorate) against a lower cantonal court ruling. The Court held that, in administrative criminal cases (Verwaltungsstrafsachen), a nullity appeal against lower court judgments is permissible even if the lower court acted as the sole cantonal instance, contrary to the limitations set out in Art. 268 No. 1 BStP, since Art. 83 VStrR deliberately omits reference to that restriction; furthermore, the involved administration (PTT General Directorate) holds independent standing (Beschwerdelegitimation) to file such an appeal as a party to the proceedings under Art. 74 para. 1 VStrR, notwithstanding the fact that the Federal Prosecutor is also explicitly granted this right under Art. 80 para. 2 and Art. 83 para. 1 VStrR, as the phrase "also to the Federal Prosecutor" does not exclude the right of other parties to appeal.

Regesto Legislator

Ufficiale

Regeste 1. Art. 268 Ziff. 1 BStP. In Verwaltungsstrafsachen ist die Nichtigkeitsbeschwerde gegen Urteile unterer Gerichte auch zulässig, wenn diese als einzige kantonale Instanz entschieden haben (E. 2). 2. Art. 80 Abs. 2, 83 Abs. 1 VStrR. Die beteiligte Verwaltung ist selbständig zur Beschwerde legitimiert (E. 3).

Parole chiave

Generato dall'IA
legittimazione a ricorrere atti penali ricorso per cassazione infrazione amministrativa diritto processuale ricorso del personale

Disposizioni normative citate

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Art. 268 Ziff. 1 BStP
Art. 268 Ziff. 1 BStP. In Verwaltungsstrafsachen ist die Nichtigkeitsbeschwerde gegen Urteile unterer Gerichte auch zulässig, wenn diese als einzige kantonale Instanz entschieden haben (E. 2).
Art. 83 VStrR
Das Verwaltungsstrafrecht regelt die Zulassung der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde gegen Urteile der kantonalen Gerichte insofern abweichend vom Bundesstrafprozess, als Art. 83 VStrR absichtlich nicht auf Art.
Art. 268 BStP
83 VStrR absichtlich nicht auf Art. 268 BStP verweist und die in dieser Bestimmung enthaltene Beschränkung der Beschwerdemöglichkeit unerwähnt lässt (vgl.
Art. 268 Ziff. 1 Satz
Im Bereiche des Verwaltungsstrafrechts ist daher entgegen Art. 268 Ziff. 1 Satz 2 BStP die Nichtigkeitsbeschwerde gegen Urteile unterer Gerichte auch dann zulässig, wenn diese als einzige kantonale Instanz entschieden haben (nicht veröffentlichtes Urteil des Kassationshofes vom 30.
Art. 78 Abs. 1 VStrR
Peter zieht diesen Schluss offenbar einerseits aus Art. 78 Abs. 1 VStrR, wonach für den Rückzug der Strafverfügung während des Gerichtsverfahrens die Zustimmung des Bundesanwalts erforderlich ist, und anderseits aus der Vorschrift des Art.
Art. 80 Abs. 2 VStrR
Cited in the Regeste section regarding the standing of the administration to file an appeal.
Art. 74 Abs. 1 VStrR
Für die selbständige Beschwerdelegitimation der beteiligten Verwaltung spricht Art. 74 Abs. 1 VStrR, welcher für das gerichtliche
Art. 83 Abs. 1 VStrR
Cited in the Regeste section regarding the standing of the administration to file an appeal.
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Questioni giuridiche chiave estratte da Legislator

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Art. 80 Abs. 2 VStrR

Cited in the Regeste section regarding the standing of the administration to file an appeal.

Art. 83 Abs. 1 VStrR

Cited in the Regeste section regarding the standing of the administration to file an appeal.

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Sentenze successive che citano questa decisione (11)

6B_429/2011 (2011-08-23)
«…121, S. 6151). Das Beschwerderecht der beteiligten Verwaltung in Verwaltungsstrafsachen wurde vom Bundesgericht in BGE 105 IV 286 E. 3 anerkannt. In BGE 117 IV 484 E. 2 kam es jedoch auf den früheren Entscheid zurück, woraufhin das Beschwerderech…»
6S.486/2004 (2005-01-28)
«…onner lieu à un recours de droit cantonal pour violation du droit fédéral. Instaurée par la jurisprudence en 1979 ( ATF 105 IV 286 consid. 3 p. 287 s.), puis supprimée en 1991 ( ATF 117 IV 484 consid. 2 p. 488 ss), la qualité pour recourir de l'adm…»
6S.135/2004 (2004-10-06)
«…nz entschieden haben. Art. 83 Abs. 1 VStrR verweist nicht auf Art. 268 BStP und hat als lex specialis Vorrang ( BGE 105 IV 286 E. 2; nicht publizierter BGE 6P.146/2002 vom 28. August 2003, E. 2.2). 1.3 Der Entscheid der Einzelrichterin in Strafs…»
6S.112/2004 (2004-06-18)
«…onner lieu à un recours de droit cantonal pour violation du droit fédéral. Instaurée par la jurisprudence en 1979 ( ATF 105 IV 286 consid. 3 p. 287 s.), puis supprimée en 1991 ( ATF 117 IV 484 consid. 2 p. 488 ss), la qualité pour recourir de l'adm…»
6S.302/2003 (2003-10-17)
«…e era stata invece oggetto in precedenza di una giurisprudenza discordante (cfr. la posizione dapprima espressa in DTF 105 IV 286 e poi in DTF 117 IV 484 ). Per volontà esplicita del legislatore la legittimazione ricorsuale dell'amministrazione in…»
6P.146/2002 (2003-08-28)
«…tigkeitsbeschwerde daher auch zulässig, wenn ein kantonales Gericht als einzige kantonale Instanz entschieden hat ( BGE 105 IV 286 E. 2). 2.3 Eine unrichtige Bezeichnung des Rechtsmittels schadet nicht, soweit die Eingabe den formellen Anforderungen…»
VPB 98-009 (1998-04-07)
«…, comme c'est le cas pour le procureur général, la légitimation pour recourir contre une décision cantonale. Dans l'ATF 105 IV 286 et suivants, le Tribunal fédéral a reconnu la légitimation de l'administration concernée pour former un pourvoi en null…»
VPB 93-062 (1993-10-19)
«…procureur général de la Confédération - le droit de recourir contre les décisions d'autorités cantonales. Dans son ATF 105 IV 286 ss, le Tribunal fédéral avait reconnu la qualité de l'administration intéressée pour se pourvoir en nullité au niveau f…»
BGE 117 IV 484
«…gebenenfalls das Rechtsmittel frist- und formgerecht einzureichen gehabt. Das habe sich im Jahre 1979 aufgrund von [BGE 105 IV 286](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
BGE 112 IA 305
«…in neuerer Zeit bei der Beurteilung von Fällen in anderen Kantonen jedenfalls nicht ausdrücklich abgelehnt worden ([BGE 105 IV 286](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
BGE 107 IV 68
«…le second doivent émaner de l'une des personnes désignées à l'art. 29 al. 2 OJ, si ce n'est du recourant lui-même ([ATF 105 IV 286](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»

Testo completo

Urteilskopf

105 IV 286

72. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 5. Oktober 1979 i.S. Generaldirektion PTT gegen T. (Nichtigkeitsbeschwerde)

Regeste

1. Art. 268 Ziff. 1 BStP. In Verwaltungsstrafsachen ist die Nichtigkeitsbeschwerde gegen Urteile unterer Gerichte auch zulässig, wenn diese als einzige kantonale Instanz entschieden haben (E. 2).

2. Art. 80 Abs. 2, 83 Abs. 1 VStrR. Die beteiligte Verwaltung ist selbständig zur Beschwerde legitimiert (E. 3).

Erwägungen ab Seite 287

BGE 105 IV 286 S. 287

Aus den Erwägungen:

2. Das Verwaltungsstrafrecht regelt die Zulassung der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde gegen Urteile der kantonalen Gerichte insofern abweichend vom Bundesstrafprozess, als Art. 83 VStrR absichtlich nicht auf Art. 268 BStP verweist und die in dieser Bestimmung enthaltene Beschränkung der Beschwerdemöglichkeit unerwähnt lässt (vgl. PETER, ZStR 1974/90, S. 356). Im Bereiche des Verwaltungsstrafrechts ist daher entgegen Art. 268 Ziff. 1 Satz 2 BStP die Nichtigkeitsbeschwerde gegen Urteile unterer Gerichte auch dann zulässig, wenn diese als einzige kantonale Instanz entschieden haben (nicht veröffentlichtes Urteil des Kassationshofes vom 30. Juli 1979 i.S. Ferraris c. Zürich).

3. Nach der nicht näher begründeten Auffassung von PETER (ZStR 1974/90, S. 354) soll die beteiligte Verwaltungsbehörde kein Rechtsmittel ergreifen können und die Beschwerdelegitimation ausschliesslich dem Bundesanwalt zustehen. Peter zieht diesen Schluss offenbar einerseits aus Art. 78 Abs. 1 VStrR, wonach für den Rückzug der Strafverfügung während des Gerichtsverfahrens die Zustimmung des Bundesanwalts erforderlich ist, und anderseits aus der Vorschrift des Art. 80 Abs. 2 VStrR, welche dem Bundesanwalt ausdrücklich die Befugnis zur Ergreifung kantonaler Rechtsmittel einräumt.

Im vorliegenden Fall hat die Bundesanwaltschaft kein Rechtsmittel eingelegt, so dass zu prüfen ist, ob die Generaldirektion PTT - entgegen der Auffassung von Peter - als beteiligte Verwaltung zur Beschwerde legitimiert ist. Für die selbständige Beschwerdelegitimation der beteiligten Verwaltung spricht Art. 74 Abs. 1 VStrR, welcher für das gerichtliche

BGE 105 IV 286 S. 288

Verfahren der beteiligten Verwaltung (neben dem Beschuldigten, dem öffentlichen Ankläger des Kantons und dem Bundesanwalt) Parteistellung zuerkennt. In Art. 80 Abs. 2 und Art. 83 Abs. 1 VStrR wird allerdings ausdrücklich gesagt, dass die kantonalen Rechtsmittel und die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde "auch dem Bundesanwalt" zustehen. Aus dieser Formulierung lässt sich aber keineswegs ableiten, die beteiligte Verwaltung werde von der Beschwerdemöglichkeit ausgeschlossen und im Rechtsmittelverfahren durch den Bundesanwalt vertreten. Ein solcher Sinn kann auch nicht dem Umstand entnommen werden, dass die Beschwerdelegitimation des Bundesanwalts in Art. 80 Abs. 2 und Art. 83 Abs. 1 VStrR besonders erwähnt wird, schliesst doch die in beiden Bestimmungen gebrauchte Wendung "auch dem Bundesanwalt" die Anfechtungsmöglichkeit anderer Parteien nicht aus. Hätte die Beschwerdebefugnis ausschliesslich dem Bundesanwalt erteilt, anderen Parteien (wie der beteiligten Verwaltung oder dem kantonalen Ankläger) aber entzogen werden wollen, so hätte eine solche Regelung im Gesetz klar und eindeutig zum Ausdruck gebracht werden müssen. Das ist nicht geschehen. Denkbar wäre, dass der Gesetzgeber zur Vermeidung von Unzukömmlichkeiten, die sich aus der konkurrierenden Beschwerdelegitimation zweier Bundesstellen ergeben können, die Einlegung eines Rechtsmittels durch die Verwaltung an das Erfordernis der Zustimmung des Bundesanwalts geknüpft hätte (analog zu Art. 78 Abs. 1 VStrR). Für eine solche Beschränkung fehlt aber jeder Anhaltspunkt, so dass davon auszugehen ist, der beteiligten Verwaltung komme als Partei eine selbständige Beschwerdebefugnis zu.

Der von der Generaldirektion PTT beim Obergericht des Kantons Zürich eingereichte Rekurs ist daher als eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde entgegenzunehmen.