ZWR 2021 S 222 223 — Preventive Security Deposit in Criminal Proceedings
Sintesi della sentenza (Oggetto del contendere & Esito)
Generato dall'IAA preventive security deposit (Friedensbürgschaft) under Article 66 of the Criminal Code can be ordered in a final judgment, a separate proceeding under Article 372 of the Criminal Procedure Code, or as a substitute measure under Article 237 of the Criminal Procedure Code, with the latter being applicable during ongoing criminal proceedings, particularly if a detention measure is disproportionate. If a private complainant requests the immediate ordering of such a security deposit during the criminal proceedings, the public prosecutor's office must generally submit the matter to the coercive measures court, unless the request is clearly futile, an abuse of process, or would negatively affect the investigation.
Massima giurisprudenziale / Regesto
Generato dall'IAQuestioni giuridiche chiave & norme applicate
Generato dall'IAThe provision is cited in the summary as the legal basis for ordering a preventive bond as a substitute measure.
The provision is cited in the summary as an alternative procedure for ordering a preventive bond, though its applicability was ultimately limited in the reasoning.
The provision defining the legal basis for the preventive bond, which is the subject of the decision.
Testo integrale della sentenza — ZWR 2021 S 222 223
222 RVJ / ZWR 2021
Strafrecht - Friedensbürgschaft - KGE (Einzelrichter der Straf- kammer) vom 21. September 2020, A. und weitere c. X und Staats- anwaltschaft - TCV P3 20 128 Friedensbürgschaft (Art. 66 StGB) - Die Friedensbürgschaft kann entweder im Endurteil, im selbstständigen Verfahren nach Art. 372 StPO oder als Ersatzmassnahme nach Art. 237 StPO angeordnet werden (E. 3). - Stellt die Privatklägerschaft während des Strafverfahrens einen Antrag auf sofortige Anordnung einer Friedensbürgschaft, hat die Staatsanwaltschaft die Sache in der Regel dem Zwangsmassnahmengericht vorzulegen (E. 4). Cautionnement préventif (art. 66 CP) - Le cautionnement préventif peut être ordonné tant dans un jugement final que dans une procédure indépendante au sens de l’art. 372 CPP ou à titre de mesure de substitution au sens de l’art. 237 CPP (consid. 3). - Lorsque la partie plaignante requiert au cours de la procédure pénale qu’un cau- tionnement préventif soit immédiatement ordonné, le ministère public doit en principe soumettre cette demande au tribunal des mesures de contrainte (consid. 4).
Aus den Erwägungen
3. Die Friedensbürgschaft nach Art. 66 StGB kann angeordnet werden, wenn eine Person wegen eines Verbrechens oder Vergehens verurteilt wird oder wenn eine Person mit einem Verbrechen oder Vergehen droht und ernsthaft anzunehmen ist, dass sie die Tat wiederholt bzw. ausführt. Sie setzt einen entsprechenden Antrag der betroffenen Person voraus. Die Anordnung der Friedensbürgschaft erfolgt entweder mit dem Endurteil im Hauptverfahren oder, wenn kein Strafverfahren anhängig ist, im selbstständigen Verfahren nach Art. 372 StPO. Dane- ben kann die Friedensbürgschaft auch während der Dauer eines Straf- verfahrens angeordnet werden, namentlich als Ersatzmassnahme nach Art. 237 StPO, sollte sich die Untersuchungshaft wegen Ausführungs- oder Wiederholungsgefahr als unverhältnismässig erweisen (Jeanneret, in: Bonet/Dupont [Hrsg.], Les mesures provisionnelles en procédures civile, pénale et administrative, 2015, S. 97 ff.). Vorliegend ist die letztere Variante einschlägig. Eine Minderheit der Lehre will das selbstständige Massnahmever- fahren auch während laufendem Strafverfahren ermöglichen, falls nicht zeitnah ein Endentscheid zu erwarten ist (Schwarzenegger, in: RVJ / ZWR 2021 223
Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), 2. A., 2014, N. 4 zu Art. 372 StPO). Die Mehrheit der Lehre hält jedoch die Art. 372 f. StPO im Falle einer Friedensbürgschaft während laufendem Verfahren für nicht einschlägig und verweist insofern ausschliesslich auf die Ersatzmassnahmen nach Art. 237 StPO (Jeanneret/Thalmann, in: Kuhn/Jeanneret [Hrsg.], Com- mentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2. A., 2019, N. 13, 15 und 19 zu Art. 372 StPO; Schmid/Jositsch, Schweizerisches Straf- gesetzbuch, Praxiskommentar, 3. A., 2018, N. 1 f. zu Art. 372 StPO; Moreillon/Parein-Reymon, CPP, Code de procédure pénale, 2. A., 2016, N. 6 zu Art. 372 StPO; Kissling, Basler Kommentar, 2. A., 2014, N. 5 f. zu Art. 372 StPO). Das Kantonsgericht schliesst sich der letzte- ren Meinung an. Art. 373 StPO ist damit vorliegend nicht einschlägig. 4. Auch betreffend der Frage, ob eine Friedensbürgschaft als Ersatz- massnahme anzuordnen ist, ist der besonderen Verfahrenskonstella- tion, namentlich bei einem entsprechenden Antrag der Privatkläger- schaft, Rechnung zu tragen (Jeanneret, a.a.O., S. 107). Der Staats- anwaltschaft ist zwar grundsätzlich zuzustimmen, dass der Entscheid, welche Zwangsmassnahmen zu welchem Zeitpunkt angeordnet oder beantragt werden sollen, ihr obliegt, solange sie die Verfahrensleitung innehat. Stellt jedoch die Privatklägerschaft den im materiellen Recht vorgesehenen Antrag auf eine Friedensbürgschaft und richtet sich dieser nicht (nur) auf den Endentscheid, so kann die Staatsanwaltschaft die betreffende Antragstellung an das Zwangsmassnahmengericht nur dann ablehnen, wenn eine entsprechende Anordnung die Strafunter- suchung negativ beeinflussen könnte oder von vornherein aussichtslos ist oder aber rechtsmissbräuchlich erhoben worden wäre.