Revision of Penalty Order Based on Proof of Vehicle Theft
Sintesi Legislator
Generato dall'IAThe State Prosecutor's Office successfully petitioned for the revision of a finalized penalty order, which had convicted the subject as the vehicle owner for negligent simple traffic violation due to speeding and imposed a fine. The court granted the revision request under Article 410 para. 1 lit. a of the Criminal Procedure Code because the defendant subsequently presented new, material evidence—namely, proof that his vehicle had been stolen prior to the offense, supported by a theft report and insurance cancellation confirmation—which was not known to the prosecution at the time the penalty order was issued and was capable of leading to a significantly more favorable outcome for the accused. Consequently, the court upheld the revision, quashed the original penalty order, and remanded the case to the State Prosecutor's Office for new handling and assessment.
Regesto Legislator
Generato dall'IAArt. 411 Abs. 1 StPO, Art. 29 GerG, Art. 22 Ziff. 2 GerG, Art. 354 Abs. 3 StPO, Art. 410 Abs. 1 StPO, Art. 381 Abs. 1 StPO; Revision of Penalty Order Based on Proof of Vehicle Theft: The court granted the revision request under Article 410 para. 1 lit. a of the Criminal Procedure Code because the defendant subsequently presented new, material evidence—namely, proof that his vehicle had been stolen prior to the offense, supported by a theft report and insurance cancellation confirmation—which was not known to the prosecution at the time the penalty order was issued and was capable of leading to a significantly more favorable outcome for the accused. Consequently, the court upheld the revision, quashed the original penalty order, and remanded the case to the State Prosecutor's Office for new handling and assessment.
Parole chiave
Generato dall'IADisposizioni normative citate
Generato dall'IAGiurisprudenza citata
Generato dall'IADecisioni correlate
Generato dall'IAQuestioni giuridiche chiave estratte da Legislator
Generato dall'IAThis provision established the ground for granting the revision request, based on new and relevant facts.
Cited in the reasoning as the rule governing the filing of revision requests, which supports the procedural handling of the application.
This article was cited in the reasoning as the basis for ordering the state to bear the costs after granting the revision.
Cited in the reasoning to confirm that the case was decided by a three-member panel, relevant to the procedural setting.
Cited in the reasoning to establish the jurisdiction of the Obergericht for the revision procedure.
Cited in the reasoning to establish the right of the Public Prosecutor's Office to file an appeal for the benefit of the convicted person.
Cited in the reasoning to establish that the penalty order had become legally final, making it eligible for revision.
Cited in the reasoning to confirm that revision requests are generally not subject to a deadline.
Although not explicitly cited in the final orders, Art. 64 LTF is the general rule for legal aid, but since no legal aid was mentioned in the dispositive, it is excluded based on the rule. The costs are governed by Art. 23 PKoG.
This provision is only mentioned in the procedural instructions at the end (Rechtsmittelbelehrung) regarding the appeal to the Federal Supreme Court, not in the dispositive orders of the current decision.
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Testo completo
GERICHTE OBERGERICHT Marktgasse 4, 6371 Stans, 041 618 79 70, www.nw.ch
SA 22 5
Urteil vom 28. April 2022 Strafabteilung
Besetzung Präsidentin Livia Zimmermann, Vorsitz, Oberrichter Paul Achermann, Oberrichter Albert Odermatt, Gerichtsschreiberin Mirdita Kelmendi.
Verfahrensbeteiligte Staatsanwaltschaft Nidwalden, Kreuzstrasse 2, Postfach 1242, 6371 Stans,
Gesuchstellerin,
gegen
A.__, Betroffener.
Gegenstand Revision
Strafbefehl vom 22. Februar 2022 der Staatsanwaltschaft Nidwalden (STA-Nr. A1 22 535).
2│5
Sachverhalt:
A. Mit Strafbefehl STA-Nr. A1 22 535 der Staatsanwaltschaft Nidwalden vom 22. Februar 2022 wurde A.__ als Fahrzeughalter der fahrlässigen einfachen Verkehrsregelverletzung durch Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit für schuldig erklärt. Er wurde mit einer Busse von Fr. 400.00 bestraft. Ausserdem wurde ihm eine Gebühr von Fr. 260.00 auferlegt (STA-act. 14). Der Strafbefehl erwuchs zufolge fehlender Einsprache in Rechtskraft.
B. Mit Eingabe vom 21. April 2022 ersuchte die Staatsanwaltschaft Nidwalden um Revision des Strafbefehls sowie um Rückweisung der Strafsache zur neuen Behandlung und Beurteilung, unter Kostenfolge zu Lasten des Staates.
Erwägungen:
1. Revisionsgesuche sind gemäss Art. 411 Abs. 1 StPO schriftlich und begründet beim Berufungsgericht einzureichen. Zuständig ist das Obergericht (Art. 29 GerG [NG 261.1]), welches in Ermangelung einer abweichenden Vorschrift in Dreierbesetzung entscheidet (Art. 22 Ziff. 2 GerG).
Der Strafbefehl STA-Nr. A1 22 535 vom 22. Februar 2022 erwuchs mangels Einsprache innert Frist in Rechtskraft (Art. 354 Abs. 3 StPO) und ist deshalb revisionsfähig (Art. 410 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft kann ein Rechtsmittel zugunsten oder zuungunsten der beschuldigten oder verurteilten Person ergreifen (Art. 381 Abs. 1 StPO); sie gilt durch jeden unrichtigen Entscheid als beschwert. Revisionsgesuche sind - abgesehen von bestimmten, hier nicht interessierenden Ausnahmen - an keine Frist gebunden (Art. 411 Abs. 2 StPO).
3│5
2. Die Revision ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, welches die Wiederaufnahme und die Neubeurteilung rechtskräftig erledigter Strafverfahren erlaubt. Sie ist deshalb nur in engem Rahmen zulässig. Die Revisionsgründe sind in Art. 410 Abs. 1 und 2 StPO abschliessend aufgeführt. Vorliegend wird die Revision wegen neuer erheblicher Tatsachen und Beweismittel im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO verlangt. «Neu» sind Tatsachen bzw. Beweismittel, wenn sie im Zeitpunkt des revidierten Urteils zwar bereits vorhanden, in der nun vorliegenden Bedeutung der Strafbehörde aber nicht bekannt waren und nicht in den Entscheid einflossen (BGE 137 IV 59 E. 5.1.2). Sie müssen zudem erheblich sein. Dies ist der Fall, wenn sie geeignet sind, die tatsächlichen Feststellungen, auf die sich die Verurteilung stützt, zu erschüttern, und wenn die so veränderten Tatsachen einen deutlich günstigeren Entscheid zugunsten des Verurteilten ermöglichen (BGE 137 IV 59 E. 5.1.4; 130 IV 72 E. 1).
3. Stellt die Staatsanwaltschaft zugunsten einer verurteilten Person ein Revisionsgesuch, kann auf die Einholung einer Stellungnahme beim Betroffenen (bzw. bei der verurteilten Person) verzichtet werden.
4. Die Staatsanwaltschaft führt in ihrem Revisionsgesuch sinngemäss aus, dass der Betroffene mit Schreiben vom 21. März 2022 via Schweizerische Botschaft im Vereinigten Königsreicht mitgeteilt habe, dass er zum Zeitpunkt der Geschwindigkeitsübertretung nicht der Lenker des Fahrzeuges gewesen sei. Er habe insbesondere geltend gemacht, sein Fahrzeug sei im Dezember 2020 gestohlen worden. Zum Beweis habe er die Bestätigung der Strafanzeige vom
11. Dezember 2020 (act. 18) sowie die Bestätigung der Löschung der Versicherung vom
25. März 2021 (act. 19) aufgelegt. Mit andern Worten sei hinreichend bewiesen, dass er nicht für die Geschwindigkeitsüberschreitung verantwortlich sei.
5. Danach liegt eine neue Tatsache im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO vor, welche im Zeitpunkt des Erlasses des Strafbefehls bereits vorhanden, der Staatsanwaltschaft aber nicht bekannt gewesen war. Sie sind zudem erheblich, denn sie begründen für den Betroffenen einen günstigeren Entscheid, er wäre nicht verurteilt worden. Aus diesem Grund ist das Revisionsgesuch gutzuheissen und der Strafbefehl STA-Nr. A1 22 535 vom 22. Februar 2022 4│5
aufzuheben. Die Sache ist antragsgemäss zur neuen Behandlung und Beurteilung an die Staatsanwaltschaft Nidwalden zurückzuweisen.
6. Wird ein Revisionsgesuch gutgeheissen und die Sache zur Neubeurteilung zurückgewiesen, sind die Kosten des Revisionsverfahrens vom Staat zu tragen. Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 500.00 festgesetzt (Art. 23 PKoG; NG 261.2).
5│5
Demnach erkennt das Obergericht:
1. Das Revisionsgesuch der Staatsanwaltschaft Nidwalden vom 20. April 2022 wird gutgeheissen und der gegen A.__ erlassene Strafbefehl STA-Nr. A1 22 535 vom 22. Februar 2022 aufgehoben.
2. Die Strafsache wird zur neuen Behandlung und Beurteilung an die Staatsanwaltschaft Nidwalden zurückgewiesen.
3. Die Gerichtskosten von Fr. 500.00 gehen zu Lasten des Staates.
4. [Zustellung].
Stans, 28. April 2022 OBERGERICHT NIDWALDEN Strafabteilung Die Präsidentin
lic. iur. Livia Zimmermann Die Gerichtsschreiberin
MLaw Mirdita Kelmendi Versand:
Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen eingereicht werden (Art. 78 ff. i.V.m. Art. 90 ff. BGG; SR 173.110). Die Beschwerde hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift der Beschwerdeführerin oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angeführten Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG). Für den Fristenlauf gelten die Art. 44 ff. BGG.