Rebuttal evidence rights under Article 8 of the Civil Code when main proof rests on presumptions or indicia rather than conclusive findings
Sintesi Legislator
Generato dall'IAThe Federal Supreme Court supplemented its prior case law on Article 8 of the Swiss Civil Code, holding that while the right to rebuttal evidence exists, it does not preclude the judge from refusing evidence that is irrelevant or unsuitable; however, the judge may only declare the burden-of-proof rule moot if, after weighing the evidence taken, he has reached a firm conviction that the main evidence has been conclusively established. Where the judge relies merely on general life experience, factual presumptions, or indicia, he must not reject proffered, relevant, and suitable rebuttal evidence on the ground that the burden-of-proof rule has become moot, as doing so would violate the opponent's federal right to present concrete rebuttal evidence. The court thus clarified the scope of the right to rebuttal under Article 8 ZGB, indicating that a judge who rejects rebuttal evidence based only on presumptions or indicia violates the opponent's procedural rights; the decision directs that such evidence must be admitted, with the outcome favoring the party seeking to introduce rebuttal evidence where the main proof is not yet firmly established.
Regesto Legislator
UfficialeRegeste Art. 8 ZGB. Recht zum Gegenbeweis.
Parole chiave
Generato dall'IADisposizioni normative citate
Generato dall'IAGiurisprudenza citata
Generato dall'IADecisioni correlate
Generato dall'IASentenze successive che citano questa decisione (69)
Testo completo
Urteilskopf
115 II 305
55. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 27. September 1989 i.S. H. gegen K. Immobilien AG (Berufung)
Regeste
Art. 8 ZGB.
Recht zum Gegenbeweis.
Erwägungen ab Seite 305
BGE 115 II 305 S. 305
Aus den Erwägungen:
Das Bundesgericht ergänzt die in BGE 114 II 290 f. zusammengefasste bisherige Rechtsprechung zu Art. 8 ZGB wie folgt:
Art. 8 ZGB gewährleistet nach der Rechtsprechung ebenfalls das Recht zum Gegenbeweis (BGE 88 II 190 mit Hinweisen), d. h. er gibt dem Gegner des Beweisbelasteten einen Anspruch darauf, zum Beweis von konkreten Umständen zugelassen zu werden, die beim Richter Zweifel an der Richtigkeit der Gegenstand des Hauptbeweises bildenden Sachbehauptung wachhalten und diesen dadurch vereiteln sollen (KUMMER, N 107 zu Art. 8 ZGB; EGGER, N 18 zu Art. 8 ZGB). Auch dieser Beweisführungsanspruch schliesst aber die vorweggenommene Beweiswürdigung nicht aus, verbietet also dem Richter nicht, einem beantragten Beweismittel die Erheblichkeit oder Tauglichkeit abzusprechen. Zudem wird Art. 8 ZGB auch hinsichtlich des Gegenbeweises gegenstandslos, wenn das dem Hauptbeweis unterstellte Tatbestandsmerkmal beweismässig bereits feststeht (vgl. LEUCH, N 1 zu Art. 215 ZPO/BE). Erforderlich ist dabei allerdings, dass der Richter aufgrund einer Würdigung der erhobenen Beweise zur festen Überzeugung gelangt, der Hauptbeweis sei unumstösslich bereits erbracht. Wo er dagegen bloss auf die allgemeine Lebenserfahrung, auf allgemeine tatsächliche Vermutungen oder auf Indizien abstellt, darf er prozesskonform zum Gegenbeweis angebotene, erhebliche und taugliche Mittel nicht mit der Begründung ablehnen, die Beweislastregel
BGE 115 II 305 S. 306
sei bereits gegenstandslos geworden; damit würde er den bundesrechtlichen Anspruch des Beweisgegners auf Führung des konkreten Gegenbeweises verletzen.