Legislator Giurisprudenza & Legislazione
BGE 106 IV 56 Generato dall'IA

Art. 36 Abs. 2 SVG, Art. 1 Abs. 8 VRV. Rechtsvortritt auf Strassenverzweigungen. Nur wenn beim Zusammentreffen von zwei Verkehrswegen der eine im Verhältnis zum andern offensichtlich als völlig untergeordnet und praktisch bedeutungslos erscheint, darf angenommen werden, die Benützer einer solchen Ausfahrt seien wartepflichtig.

Numero d'incarto BGE 106 IV 56
Autorità giudiziaria
Giurisdizione Svizzera · Tribunale federale (TF / DTF) (CH)

Sintesi Legislator

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Right-of-Way at Comparable Street Junction The case addresses the question of right-of-way at a street junction, specifically whether the entry of the side road (*Neufeldstrasse*) into the main road (*Buchholzstrasse*) qualifies as a mere driveway or exit (where the driver must yield) or a proper street intersection (where the right-of-way rule applies). The court rejected the appellant's claim that the side road's junction was virtually indistinguishable from a courtyard exit, noting that both asphalted roads were essentially equal in appearance and traffic importance (both being residential streets in a densely populated area), with the width difference being negligible and the traffic frequency on the side street not significantly lower. The court reasoned that only if one road appears obviously and practically insignificant compared to the other can its users be considered obliged to yield; since both roads were comparable and thus constituted a proper intersection, the driver on the main road was bound by the right-of-way rule, requiring them to yield to the vehicle entering from the right, and the appeal was therefore dismissed.

Regesto Legislator

Ufficiale

Regeste Art. 36 Abs. 2 SVG, Art. 1 Abs. 8 VRV. Rechtsvortritt auf Strassenverzweigungen. Nur wenn beim Zusammentreffen von zwei Verkehrswegen der eine im Verhältnis zum andern offensichtlich als völlig untergeordnet und praktisch bedeutungslos erscheint, darf angenommen werden, die Benützer einer solchen Ausfahrt seien wartepflichtig.

Parole chiave

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diritto di passo diritto della circolazione stradale piano viario strada nazionale strada comunale contrassegno stradale

Disposizioni normative citate

Generato dall'IA
Art. 36 Abs. 2 SVG
Art. 36 Abs. 2 SVG, Art. 1 Abs. 8 VRV. Rechtsvortritt auf Strassenverzweigungen.
Art. 1 Abs. 8 VRV
2 SVG, Art. 1 Abs. 8 VRV.
Art. 273 Abs. I lit. b BStP
Die Behauptung, ein hoher Drahtzaum behindere die Sicht auf die Einmündung ist neu und unzulässig (Art. 273 Abs. I lit. b BStP).
Art. 15 Abs. 3 VRV
Dieser geringe Unterschied in der Strassenbreite lässt die Neufeldstrasse nicht als Ausfahrt, Feldweg oder dergleichen im Sinne des Art. 15 Abs. 3 VRV erscheinen.
Art. 1 Abs. 8 Satz
Hat aber diese Strasse nicht die Eigenschaft einer Durchgangsstrasse mit starkem Verkehr und ist die Neufeldstrasse nicht bloss ein schwach befahrenes Nebensträsschen, so kann ihre Einmündung in die Buchholzstrasse keineswegs als blosse Ausfahrt gemäss Art. 1 Abs. 8 Satz 2 VRV angesehen werden.
Art. 14 Abs. 1 VRV

Giurisprudenza citata

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BGE 91 IV 146
Zwar ist die Benutzbarkeit der Neufeldstrasse für den aus der Buchholzstrasse kommenden Verkehr beschränkt, was aber noch nicht auf eine schwache Verkehrsfrequenz schliessen lässt (BGE 91 IV 146).
BGE 101 IV 416
BGE 101 IV 416 und dort aufgeführte Entscheidungen).
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Sentenze successive che citano questa decisione (11)

SK 2023 373 (2024-07-29) · be
Appellant v. Canton Regarding Right-of-Way at Low-Importance Access Point
«…Durchgangsverkehr dient und die praktisch keine oder nur eine geringe Verkehrsbedeutung hat (vgl. BGE 123 IV 218 E. 3a; 106 IV 56 E. 2 = Pra 69 Nr. 100 ; BUSSY/RUSCONI, Code suisse de la circulation routière, Lausanne 1996, N 3.3 zu Art. 36 S. 386 f…»
SU130004 (2013-08-20) · zh
Traffic Accident Right-of-Way Interpretation Appeal
«…male Ord- nung vorzugehen hat (BGE 127 IV 91 E. 2a/bb = Pra 90 Nr. 106; BGE 123 IV 218 E. 3a; BGE 117 IV 498 E. 4a; BGE 106 IV 56 E. 2). Folglich handelt es sich bei der fraglichen Einmündung um eine Strassenverzweigung im Sinne von Art. 36 Abs. 2 S…»
30.2006.185 (2007-06-06) · ti
Driver Appeal Over Collision at Unsigned Intersection
«…’eccezione alla regola secondo cui il conducente che proviene da destra ha la precedenza”* (DTF 123 IV 218, consid. 3a; 106 IV 56 consid. 2; 92 IV 26 consid. 2). In tal senso, stradine aperte unicamente a un numero determinato di persone o che, come…»
6S.98/2005 (2005-06-24)
«…uss die normale Ordnung vorgehen ( BGE 127 IV 91 E. 2a/bb; 123 IV 218 E. 3a; 117 IV 498 E. 4a; 107 IV 47 E. 3a; 106 IV 56 E. 2). 2.2 Die Vorinstanz hat ihrem Urteil diese Rechtslage zugrunde gelegt. Sie hält fest, dass es sich bei der Hirsc…»
6P.151/2003 (2004-03-02)
«…urde daher zu Recht bejaht. Der angefochtene Entscheid liegt auf der Linie der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ( BGE 106 IV 56 E. 2; 101 IV 4141 E. 2c). Dass der Beschwerdeführer seine Reisecars auf der fraglichen Kreuzung mehrmals parkierte,…»
6S.751/2000 (2001-02-22)
«…s destinée au transit et qui n'a pratiquement pas ou peu d'importance pour le trafic (cf. ATF 123 IV 218 consid. 3a; 106 IV 56 consid. 2; Bussy/Rusconi, Code suisse de la circulation routière, Lausanne 1996, n. 3.3 ad art. 36 p. 386 ss; voir aus…»
BGE 127 IV 91
«…stinée au transit et qui n'a pratiquement pas ou peu d'importance pour le trafic (cf. ATF 123 IV 218 consid. 3a; ATF 106 IV 56 consid. 2; BUSSY/RUSCONI, Code suisse de la circulation routière, Lausanne 1996, n. 3.3 ad art. 36 p. 386 ss; voir aus…»
CCP.1997.6539 (1998-02-26) · ne
Appeal Regarding Side Road Collision and Right-of-Way Determination
«…e que le premier juge a eu raison de con- sidérer que la recourante était effectivement débitrice de la priorité (ATF 106 IV 56). 4. L'article 26 al. 2 LCR impose une prudence particulière aux conducteurs, notamment lorsqu'il apparaît qu'un…»
BGE 107 IV 47
«…enstrassen wird die eine nicht schon deklassiert, wenn sie weniger breit ist und geringeren Verkehr aufweist (vgl. [BGE 106 IV 56](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
30.2006.185 · ti
Driver Acquitted in Right-of-Way Collision at Residential Intersection
«…’eccezione alla regola secondo cui il conducente che proviene da destra ha la precedenza”* (DTF 123 IV 218, consid. 3a; 106 IV 56 consid. 2; 92 IV 26 consid. 2). In tal senso, stradine aperte unicamente a un numero determinato di persone o che, come…»
SU130004 · zh
Driver Acquitted of Failure to Yield in Right-of-Way Dispute Involving Subordinate Street Status
«…male Ord- nung vorzugehen hat (BGE 127 IV 91 E. 2a/bb = Pra 90 Nr. 106; BGE 123 IV 218 E. 3a; BGE 117 IV 498 E. 4a; BGE 106 IV 56 E. 2). Folglich handelt es sich bei der fraglichen Einmündung um eine Strassenverzweigung im Sinne von Art. 36 Abs. 2 S…»

Testo completo

Urteilskopf

106 IV 56

19. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 21. Januar 1980 i.S. K. gegen Generalprokurator-Stellvertreter des Kantons Bern (Nichtigkeitsbeschwerde)

Regeste

Art. 36 Abs. 2 SVG, Art. 1 Abs. 8 VRV. Rechtsvortritt auf Strassenverzweigungen.

Nur wenn beim Zusammentreffen von zwei Verkehrswegen der eine im Verhältnis zum andern offensichtlich als völlig untergeordnet und praktisch bedeutungslos erscheint, darf angenommen werden, die Benützer einer solchen Ausfahrt seien wartepflichtig.

Erwägungen ab Seite 56

BGE 106 IV 56 S. 56

Aus den Erwägungen:

2. Der Beschwerdeführer macht in erster Linie geltend, die Einmündung der Neufeldstrasse sei für den auf der Buchholzstrasse fahrenden Fahrzeuglenker selbst auf kurze Distanz kaum erkennbar, weil ein ca. 1,5 bis 2 m hoher Drahtzaum den optischen Eindruck mache, es handle sich nur um eine Hofausfahrt

BGE 106 IV 56 S. 57

oder dergleichen. Die Behauptung, ein hoher Drahtzaum behindere die Sicht auf die Einmündung ist neu und unzulässig (Art. 273 Abs. I lit. b BStP). Selbst wenn der Einwand zutreffen sollte, könnte er den Beschwerdeführer nicht entlasten, da an unübersichtlichen Verzweigungen hauptsächlich der Wartepflichtige die zur Vermeidung eines Unfalles erforderlichen Vorkehren zu treffen hat. Dazu kommt, dass die Neufeldstrasse beim Zusammentreffen mit der Buchholzstrasse sich zu einem breiten Trichter ausweitet, so dass die Einmündung für jedermann, nicht nur für den ortskundigen Beschwerdeführer, deutlich erkennbar ist.

Sodann ist davon auszugehen, dass die beiden asphaltierten Strassen nach dem Erscheinungsbild praktisch einander ebenbürtig sind, auch wenn die Buchholzstrasse 8 m und die Neufeldstrasse rund 6 m breit ist. Dieser geringe Unterschied in der Strassenbreite lässt die Neufeldstrasse nicht als Ausfahrt, Feldweg oder dergleichen im Sinne des Art. 15 Abs. 3 VRV erscheinen. Zum gleichen Schluss führt auch die Verkehrsbedeutung beider Strassen. Nach den verbindlichen tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz sind beide Verkehrswege Quartierstrassen in dicht besiedeltem Wohngebiet. Zwar ist die Benutzbarkeit der Neufeldstrasse für den aus der Buchholzstrasse kommenden Verkehr beschränkt, was aber noch nicht auf eine schwache Verkehrsfrequenz schliessen lässt (BGE 91 IV 146). Die Vorinstanz stellt im Gegenteil fest, der Verkehr auf der Neufeldstrasse sei nicht viel geringer als auf der Buchholzstrasse. Hat aber diese Strasse nicht die Eigenschaft einer Durchgangsstrasse mit starkem Verkehr und ist die Neufeldstrasse nicht bloss ein schwach befahrenes Nebensträsschen, so kann ihre Einmündung in die Buchholzstrasse keineswegs als blosse Ausfahrt gemäss Art. 1 Abs. 8 Satz 2 VRV angesehen werden. Diese Ausnahmebestimmung ist im Interesse möglichst klarer Verkehrs- und Vortrittsrechtsverhältnisse einschränkend auszulegen. Der Fahrzeuglenker, namentlich der ortsunkundige, muss sich darauf verlassen können, dass ohne abweichende Signalisierung der von rechts Kommende den Vortritt hat, selbst wenn die zusammentreffenden Strassen nach Anlage und Verkehrsbedeutung gewisse Unterschiede aufweisen. Nur wo der eine Verkehrsweg im Verhältnis zum andern offensichtlich als völlig untergeordnet und praktisch bedeutungslos erscheint, darf angenommen werden, die Benützer

BGE 106 IV 56 S. 58

einer solchen Ausfahrt seien nach rechts und links wartepflichtig (vgl. BGE 101 IV 416 und dort aufgeführte Entscheidungen).

Die Einmündung der Neufeldstrasse in die Buchholzstrasse, beides Nebenstrassen von nahezu gleicher Verkehrsbedeutung, hat daher unzweifelhaft als Verzweigung zu gelten, an welcher der Beschwerdeführer dem von rechts einbiegenden Fahrzeug den Vortritt zu gewähren und seine Geschwindigkeit von 50-60 km/h rechtzeitig zu mässigen hatte (Art. 14 Abs. 1 VRV).

Dispositiv

Demnach erkennt das Bundesgericht:

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.