ZWR 2016 S 257 258 — Child Protection Authority's Failure to Personally Hear Both Parents Reverses Decision
Zusammenfassung (Sachverhalt & Erwägungen)
KI-strukturiertIn matters concerning child protection, the child protection authority is obligated to personally hear both parents, a duty that supersedes a written statement or representation by counsel, and the failure to conduct this personal hearing violates the statutory right to be heard. Where a court found that one parent was entirely unheard and the other's informal intervention did not suffice as a statutorily mandated personal hearing, this procedural defect is not curable on appeal, necessitating the reversal of the challenged decision and the return of the case to the authority to conduct the proper personal hearings of both parents before reissuing a decision.
Leitsatz / Regeste
KI-strukturiertRechtsfragen & angewandte Gesetzesbestimmungen
KI-strukturiertThese articles establishing the duty to personally hear the parents were implicitly the basis for the finding that their right to be heard was violated, leading to the judgment.
This provision was cited as part of the legal framework concerning personal hearing requirements in child protection matters.
This article was cited regarding the delegation of child hearings, contrasting it with the non-delegable duty to hear parents.
Volltext des Entscheids — ZWR 2016 S 257 258
RVJ / ZWR 2016 257
Zivilrecht Droit civil
Zivilrecht - Kindesschutz - KGE (Einzelrichter der I. Zivilrecht- lichen Abteilung) vom 10. Mai 2016, X. c. Y. - TCV C1 15 339 Kindesschutz: Anhörung der Eltern - In Belangen des Kindes hat die Kindesschutzbehörde dessen Eltern persönlich anzu- hören (E. 5.1).
Protection de l’enfant ; audition des parents - Dans l’intérêt de l’enfant, les autorités de protection doivent entendre personnelle- ment ses parents (consid. 5.1).
Aus den Erwägungen
5.1 In Kinderbelangen sind nebst den Kindern (Art. 314a ZGB) auch die Eltern (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 447 Abs. 1 ZGB; vgl. auch Art. 297 Abs. 1 ZPO) persönlich anzuhören. Die Anhörung erfolgt grundsätzlich durch die KESB, allenfalls durch die fallinstruierende Person der KESB; während die KESB die Kindesanhörung in begrün- deten Fällen an Dritte delegieren darf (Art. 314a Abs. 1 ZGB), hat sie die Eltern selbst anzuhören. Die Pflicht zur persönlichen Anhörung der betroffenen Personen geht über den verfassungsmässigen Anspruch von Art. 29 Abs. 2 BV hinaus, weshalb weder eine schriftliche Stel- lungnahme noch die Vertretung im Verfahren durch einen Anwalt genügen. Schliesslich ist der Anspruch auf persönliche Anhörung for- meller Natur, so dass dessen Verletzung unter Vorbehalt der Heilung dieses Verfahrensmangels im Beschwerdeverfahren zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt (zum Ganzen s. Fassbind, in: Rosch/Fountoulakis/Heck [Hrsg.], Handbuch Kindes- und Erwachse- nenschutz, Bern 2016, N. 331-335, 342; Auer/Marti, Basler Kommen- tar, N. 7, 13 zu Art. 447 ZGB; Steck, in: FamKommentar Erwachse- nenschutz , Bern 2013, N. 7 ff. zu Art. 447 ZGB; Tuor/ Schnyder/ Jungo, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 14. A., Zürich/Basel/Genf 2015, § 44 N. 53-57 und § 59 N. 23; Dolge, in: Brunner/ Gasser/ Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N. 6 zu Art. 276 ZPO). 258 RVJ / ZWR 2016
Vorliegend ist eine solche Anhörung der Eltern unterblieben. Während der Kindsvater wenigstens mündlich persönlich bei der KESB Region Visp bzw. deren Sachbearbeiterin intervenieren und seinen Stand- punkt darlegen konnte, was allerdings der gesetzlich vorgegebenen Anhörung nicht genügt, blieb die Kindsmutter völlig ungehört. Ihr rechtliches Gehör wurde dadurch verletzt und kann im Rechtsmittel- verfahren nicht geheilt werden, weshalb die Beschwerde gutzuheis- sen und der angefochtene Entscheid aufzuheben ist. Die Akten gehen zurück an die KESB Region Visp, damit sie das Versäumte - persön- liche Anhörung des Kindsvaters und der Kindsmutter - nachholt und danach neu entscheidet. Sie wird dabei zu prüfen haben, ob sie die Kinder ebenfalls selbst anhören muss.