Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 105 IV 289 KI-generiert

Probationary Restriction on Sex Article Business Upheld

Geschäftsnummer BGE 105 IV 289
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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Probationary Restriction on Sex Article Business Upheld A convicted person for obscenity trading challenged a condition of a three-year probationary period under Article 41(2) StGB, which prohibited them from operating or having others operate a business dealing in sex articles. The Federal Court upheld the condition, ruling that instructions must serve the purpose of special prevention, aim to improve the convicted person, and prevent relapse, and that the prohibition of generally lawful activities (like operating a sex article business, which may border on unlawful obscenity trading) is a common and permissible form of instruction to mitigate the risk of recidivism, provided it is not impossible or unreasonable, and its selection is within the judicial discretion, especially since a narrow prohibition on *obscene* articles would be redundant as it is already criminalized under Art. 204 StGB.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB. Weisung. Die einem wegen Handels mit unzüchtigen Gegenständen (Art. 204 StGB) Verurteilten erteilte Weisung, während der Probezeit kein Geschäft mit Sexartikeln zu betreiben oder betreiben zu lassen, verstösst nicht gegen Bundesrecht.

Schlagwörter

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richterliches Ermessen Probezeit Bestehen des Unternehmens weiche Pornographie gesetzliches Verbot Schutz gegen unerlaubte Handelspraktiken

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGE 103 IV 136
Innerhalb der sich daraus ergebenden Schranken sind Wahl und Inhalt der Weisungen ins richterliche Ermessen gestellt, in welches der Kassationshof nicht eingreifen kann (BGE 103 IV 136, BGE 102 IV 9).
BGE 102 IV 9
Innerhalb der sich daraus ergebenden Schranken sind Wahl und Inhalt der Weisungen ins richterliche Ermessen gestellt, in welches der Kassationshof nicht eingreifen kann (BGE 103 IV 136, BGE 102 IV 9).
BGE 100 IV 257
Weisungen verbieten regelmässig gerade an sich erlaubte Tätigkeiten (Führen eines Motorfahrzeugs, Alkoholgenuss, selbständige Erwerbstätigkeit, etc.; BGE 102 IV 9, BGE 100 IV 257, BGE 95 IV 123).
BGE 95 IV 123
Weisungen verbieten regelmässig gerade an sich erlaubte Tätigkeiten (Führen eines Motorfahrzeugs, Alkoholgenuss, selbständige Erwerbstätigkeit, etc.; BGE 102 IV 9, BGE 100 IV 257, BGE 95 IV 123).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 41 Ziff. 2 StGB

The appeal challenged the instruction based on a perceived violation of this article, which the court implicitly confirmed was correctly applied or not violated by rejecting the appeal.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (11)

BGE 130 IV 1
Probation conduct rule banning all cannabis-related trade after narcotics conviction—scope of Article 41(2) CP beyond Article 54 CP professional bans.
«…d'exploiter ou de faire exploiter pour lui une affaire d'articles d'ordre sexuel ne violait pas le droit fédéral ( ATF 105 IV 289 , approuvé par STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, Berne 1989, n. 92 ad § 4). De même, en ma…»
Jug.2017.366 (2017-11-03) · vd
Juvenile Appellant Challenges Travel and Reporting Conditions of Terrorism Statute Sentence
«…e d'exploiter ou de faire exploiter pour lui une affaire d'articles d'ordre sexuel ne violait pas le droit fédéral (ATF 105 IV 289). De même, en matière de libération conditionnelle, la règle de conduite (art. 38 ch. 3 aCP) imposant, durant le délai…»
17.2014.50 (2014-05-27) · ti
Criminal Conviction Appeal: Modification of Probationary Restrictions and Damages Award
«…a favorire l’emendamento duraturo del condannato (STF 6B\_32/2008 del 13.5.2008 consid. 3.1; DTF 107 IV 88 consid. 3a; 105 IV 289; 105 IV 234 consid. 2c; 102 IV 8 consid. 2b; Trechsel/Aebersold, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zuri…»
AC040099 (2005-05-30) · zh
Sexual Offenses Appeal Regarding Conditional Sentence Suspension and Procedural Indemnity
«…stellen ebenso Rechtsfragen dar, die in der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde vorgebracht werden können (vgl. BGE 105 IV 289, vgl. weiter Urteil vom 27. Mai 2004 des Kassationshofs des Bundesgerichts, a.a.O., E. 2/3). Bei der richterliche…»
CCP.2004.26 (2004-05-13) · ne
Bodily Harm and Death Threats Conviction Upheld; Shelter Residence Requirement Modified
«…Le sursis à l’exécution de la peine, FJS 197, p.4). Une règle de conduite ne doit pas être inexécutable ou abusive (ATF 105 IV 289, JT 1981 IV 71). b) En l'espèce, l'obligation de résider au Foyer Y. imposée au recourant pendant toute la durée du dé…»
6S.313/2003 (2003-11-11)
«…d'exploiter ou de faire exploiter pour lui une affaire d'articles d'ordre sexuel ne violait pas le droit fédéral ( ATF 105 IV 289 , approuvé par Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, Berne 1989, n. 92 ad § 4). De même, en ma…»
1P.317/2000 (2000-09-11)
«…Ersatzanordnungen für Untersuchungshaft und Sicherheitshaft im zürcherischen Strafprozess, Zürich 1997, S. 63-65; BGE 105 IV 289 f.). Der Beschwerdeführer hat es seinem eigenen beharrlichen Verhalten bzw. seinem Nichteinhalten von Versprechungen g…»
1P.727/1999 (2000-01-13)
«…teilten vorschreiben, "während der Probezeit kein Geschäft mit Sexartikeln zu betreiben oder betreiben zu lassen" ( BGE 105 IV 289 ), obwohl ein solches an sich nicht rechtswidrig ist. b) Der Beschwerdeführer anerkennt, dass es im öffentlichen Intere…»
1P.733/1999 (2000-01-13)
«…teilten vorschreiben, "während der Probezeit kein Geschäft mit Sexartikeln zu betreiben oder betreiben zu lassen" ( BGE 105 IV 289 ), obwohl ein solches an sich nicht rechtswidrig ist. b) Der Beschwerdeführer anerkennt, dass es im öffentlichen Intere…»
17.2014.50 · ti
State v. [Defendant Names/Case Identifier]; Insurance Subrogation and Probation Modification
«…a favorire l’emendamento duraturo del condannato (STF 6B\_32/2008 del 13.5.2008 consid. 3.1; DTF 107 IV 88 consid. 3a; 105 IV 289; 105 IV 234 consid. 2c; 102 IV 8 consid. 2b; Trechsel/Aebersold, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zuri…»
AC040099 · zh
Sexual Offender's Appeal on Conditional Suspension and Legal Costs
«…stellen ebenso Rechtsfragen dar, die in der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde vorgebracht werden können (vgl. BGE 105 IV 289, vgl. weiter Urteil vom 27. Mai 2004 des Kassationshofs des Bundesgerichts, a.a.O., E. 2/3). Bei der richterliche…»

Volltext

Urteilskopf

105 IV 289

73. Urteil des Kassationshofes vom 27. November 1979 i.S. F. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen (Nichtigkeitsbeschwerde)

Regeste

Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB. Weisung.

Die einem wegen Handels mit unzüchtigen Gegenständen (Art. 204 StGB) Verurteilten erteilte Weisung, während der Probezeit kein Geschäft mit Sexartikeln zu betreiben oder betreiben zu lassen, verstösst nicht gegen Bundesrecht.

Erwägungen ab Seite 289

BGE 105 IV 289 S. 289

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

In der Weisung der Vorinstanz, während der 3jährigen Probezeit "kein Geschäft mit Sexartikeln zu betreiben oder betreiben zu lassen", erblickt der Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 41 Ziff. 2 StGB. Zu Unrecht. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts müssen sich Wahl und Inhalt der Weisungen nach dem spezialpräventiven Zweck des bedingten Strafvollzugs richten, durch den der Verurteilte dauernd gebessert und vor Rückfall bewahrt werden soll. Unzulässig sind unerfüllbare oder unzumutbare Weisungen sowie solche, die vorwiegend darauf abzielen, dem Verurteilten Nachteile zuzufügen oder Dritte vor ihm zu schützen. Die Weisung muss vielmehr im wohlverstandenen Interesse des Verurteilten liegen

BGE 105 IV 289 S. 290

und voraussichtlich befolgt werden können. Innerhalb der sich daraus ergebenden Schranken sind Wahl und Inhalt der Weisungen ins richterliche Ermessen gestellt, in welches der Kassationshof nicht eingreifen kann (BGE 103 IV 136, BGE 102 IV 9).

Die hier in Frage stehende Weisung, während der Probezeit kein Geschäft mit Sexartikeln zu betreiben oder betreiben zu lassen, steht mit dieser Rechtsprechung in Einklang. Die Ansicht des Beschwerdeführers, mit einer Weisung dürfe nicht ein rechtlich zulässiges Verhalten untersagt werden, ist unzutreffend. Weisungen verbieten regelmässig gerade an sich erlaubte Tätigkeiten (Führen eines Motorfahrzeugs, Alkoholgenuss, selbständige Erwerbstätigkeit, etc.; BGE 102 IV 9, BGE 100 IV 257, BGE 95 IV 123). Das für den Beschwerdeführer allenfalls noch akzeptable Verbot des Handels mit unzüchtigen Artikeln wäre überflüssig, da ein solcher Handel ohnehin schon gemäss Art. 204 StGB von Amtes wegen verfolgt wird. Einer derartigen Weisung käme keine verstärkende und die Zwecke des bedingten Strafvollzugs unterstützende Wirkung zu, zumal der erneute Handel mit unzüchtigen Artikeln auch ohne Weisung als Täuschung des richterlichen Vertrauens erscheinen und zum Widerruf des bedingten Strafvollzugs führen müsste. Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer den bedingten Strafvollzug nur mit Bedenken gewährt und die günstige Prognose vor allem auch davon abhängig gemacht, dass F. nicht durch den Handel mit Sexartikeln in die Gefahr komme, im Grenzbereich falsch zu urteilen oder sich durch den Erwerbstrieb verführen zu lassen und die Nachfrage der Kunden nach unzüchtigen Artikeln zu befriedigen. Aufgrund der früheren Erfahrungen musste mit einer solchen Gefahr ernstlich gerechnet werden. Es war daher durchaus zweck- und verhältnismässig, den nunmehr einsichtigen Beschwerdeführer mittels der hier in Frage stehenden klaren Weisung vor erneuter Straffälligkeit möglichst zu bewahren. Entgegen der nicht näher begründeten Behauptung des Beschwerdeführers hat die Weisung keinen pönalen Charakter, auch wenn sie einen unangenehmen Eingriff darstellen mag. Schliesslich ist eine Rüge, die fragliche Weisung verletze die persönliche Freiheit und die Handels- und Gewerbefreiheit, im Verfahren der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde unzulässig (Art. 269 Abs. 2 BStP) und daher unbeachtlich. Zudem ist grundsätzlich festzuhalten, dass gerechtfertigte, dem Gesetz entsprechende Weisungen die Verfassungsnormen nicht verletzen,

BGE 105 IV 289 S. 291

sondern zulässige Einschränkungen der Individualrechte darstellen.

Dispositiv

Demnach erkennt das Bundesgericht:

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.