# ZWR 2017 S 333 335 — State Reimbursement for Police Costs in Self-Instigated Intervention

**Geschäftsnummer:** ZWR 2017 S 333 335
**Citation:** TC VS ZWR 2017 S 333 335
**Gericht / Behörde:** Kantonsgericht
**Entscheiddatum:** 2017-02-06
**Ausgang:** Gutgeheissen (Allowed)
**Canonical Legislator URL:** https://docs.legislator.ch/de/sources/court-decision/ch-vs/VS_TC_001_ZWR-2017-S--333-335_2017-02-06/state-reimbursement-for-police-costs-in-self-instigated-intervention
**Official Source URL:** https://rechtsprechung.vs.ch/download//Revue%20valaisanne%20de%20jurisprudence/2017/KGVS-20170206-P3-15-208-20171107-715-ZWR-2017-333-335.pdf
**Entscheidsuche Mirror:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_TC_001_ZWR-2017-S--333-335_2017-02-06.pdf

## Zusammenfassung (Sachverhalt & Erwägungen)

The court addressed whether the state could seek reimbursement for costs incurred due to a police intervention under the relevant statute, which allows recourse against persons who instigated investigations through baseless or malicious reports. In this case, an individual caused a police response by sending a text message indicating suicidal intent, leading to the forcible entry of their residence after they were located elsewhere. The court reasoned that because the individual's own behavior, even if grossly negligent, was the direct cause of the police intervention, the statute providing recourse for baseless accusations does not apply; instead, any claim for these related costs must be pursued through civil proceedings.

## Leitsatz / Regeste

Art. 420 lit. a StPO; Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO — Art. 420 lit. a StPO: The main ground for the decision, determining that recovery action against the appellant under this article was excluded. Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO: Cited by the public prosecutor's office to issue the non-committal order, which was the subject of the cost dispute.

## Rechtsfragen & angewandte Gesetzesbestimmungen

### 1. Art. 420 lit. a StPO

The main ground for the decision, determining that recovery action against the appellant under this article was excluded.

### 2. Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO

Cited by the public prosecutor's office to issue the non-committal order, which was the subject of the cost dispute.

## Volltext des Entscheids

RVJ / ZWR 2017                                                                      333


Strafprozessrecht - Verfahrenskosten - KGE (Einzelrichter der
Strafkammer) vom 6. Februar 2017, X. c. Staatsanwaltschaft des
Kantons Wallis - TCV P3 15 208
Rückgriff des Staates nach Art. 420 StPO
- Nach Art. 420 lit. a StPO kann der Staat für die von ihm getragenen Kosten Rückgriff
  nehmen auf Personen, welche mit ihren haltlosen oder böswilligen Anzeigen oder
  Verdächtigungen polizeiliche Ermittlungen oder die Eröffnung eines Strafverfahrens
  veranlasst haben. Wer hingegen durch sein eigenes Verhalten Grund für polizeiliche
  Ermittlungen oder die Eröffnung eines Strafverfahrens gibt, kann für damit im Zusam-
  menhang stehende Kosten nicht gestützt auf Art. 420 StPO belangt werden (E. 2.1).
- Vorliegend hat der Beschwerdeführer durch die Äusserung von Suizidabsichten
  Grund für eine polizeiliche Intervention gesetzt; die polizeilichen Interventionskosten
  können ihm daher nicht gestützt auf Art. 420 lit. a StPO auferlegt werden, vielmehr
  sind sie auf dem Zivilweg einzufordern (E. 2.2).

Action récursoire de l’Etat selon l’art. 420 CPP
- Selon l’art. 420 let. a CPP, l’Etat peut intenter une action récursoire contre les per-
  sonnes qui, de manière infondée ou par malveillance, ont fourni des indications ou
  formulé des soupçons qui ont provoqué des investigations policières ou l’ouverture
  d’une procédure pénale. Par contre, celui dont le comportement est à l’origine d’une
  enquête de police ou de l’ouverture d’une procédure pénale ne peut pas faire l’objet
  d’une action récursoire au sens de l’art. 420 CPP pour les frais qu’il a engendrés
  (consid. 2.1).
- En l’espèce, le recourant a provoqué l’intervention policière en invoquant des inten-
  tions suicidaires. Par conséquent, il n’est pas envisageable de lui faire supporter les
  coûts d’intervention de la police sur la base de l’art. 420 let. a CPP, mais il s’agit
  plutôt de les réclamer par la voie civile (consid. 2.2).



                Verfahren und Sachverhalt (gekürzt)


A. Nachdem X. seiner behandelnden Ärztin im PZO eine SMS mit
suizidialen Absichten hinterliess, verständigte Letztgenannte die
Ambulanz. Da auf Klopfen, Türklingeln und Zurufen keine Reaktion
aus der Wohnung von X. in B. erfolgte, wurde die Türe von den anvi-
sierten Polizeiagenten gewaltsam geöffnet. Bei der anschliessenden
Wohnungsdurchsuchung konnte X. nicht angetroffen werden. Letzt-
genannter hielt sich vielmehr bei seinen Eltern in C. auf, wo eine
Patrouilleneinheit ihn antreffen konnte.
B. Die Staatsanwaltschaft erliess am 31. August 2015 eine Nichtan-
handnahmeverfügung gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO mit der
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Begründung, dass keine strafbare Handlung vorliege, weshalb der
Sache keine weitere Folge zu geben sei. Gleichzeitig auferlegte sie X.
die Verfahrenskosten, worin auch die Reparaturkosten der Türe von
Fr. 2 629.80 integriert waren.
C. In seiner Beschwerde vom 29. Oktober 2015 forderte X. sinn-
gemäss, die Nichtanhandnahmeverfügung insoweit aufzuheben, als
dass ihm die Kosten im Umfang von Fr. 2 900.- auferlegt worden sind.


                       Aus den Erwägungen


2.1 Gemäss Art. 420 StPO kann der Kanton für die von ihm getrage-
nen Kosten auf Personen Rückgriff nehmen, die vorsätzlich oder
grobfahrlässig die Einleitung des Verfahrens bewirkt (lit. a), das Ver-
fahren erheblich erschwert (lit. b) oder einen im Revisionsverfahren
aufgehobenen Entscheid verursacht haben (lit. c). Wer mit haltlosen
oder böswilligen Anzeigen oder Verdächtigungen die Strafbehörden
bemüht, hat die dadurch verursachten Kosten zu tragen. Die zu
verpflichtende Person muss dabei vorsätzlich oder grobfahrlässig
gehandelt haben. Hinsichtlich des vorsätzlichen Verhaltens sind die
Grundsätze von Art. 12 Abs. 2 StGB beizuziehen. Demzufolge muss
die rückgriffsverpflichtete Person die ihr vorgeworfenen Verfahrens-
handlungen mit Wissen und Willen begangen haben. Grobfahrlässig-
keit bedingt das Ausserachtlassen von Massnahmen, die jedem
verständigen Menschen in der gleichen Lage und unter den gleichen
Umständen hätten einleuchten müssen, unter Verletzung elementarer
Vorsichtsregeln (Domeisen, Basler Kommentar, 2. A., 2014, N. 6 zu
Art. 420 StPO). Die sehr offene Formulierung von Art. 420 StPO wird
in der Lehre als missglückt bezeichnet. Vom Rückgriff ist gemäss
Lehre und Rechtsprechung zurückhaltend Gebrauch zu machen
(Griesser, Zürcher Kommentar, 2. A., 2014, N. 5 und 7 zu Art. 420
StPO). Anders als Art. 426 Abs. 2 StPO kommt Art. 420 StPO nur bei
prozessualem Verschulden i.e.S. zur Anwendung, mithin nicht, wenn
vorwerfbares Verhalten Anlass zur Eröffnung eines Strafverfahrens
gegeben hat (Beschluss des Bundesstrafgerichts vom 12. Januar 2015
BB.2014.108 E 2.2). Erforderlich ist ein Fehlverhalten der rückgriffsver-
pflichteten Person, das sich in haltlosen Verdächtigungen, die jeder
Grundlage entbehren, manifestiert (Griesser, a.a.O., N. 7 zu Art. 420
StPO; vgl. Bundesgerichtsurteile 6B_620/2015 vom 3. März 2016
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E. 2.2, 6B_851/2014 vom 1. Dezember 2014 E. 2 und 6B_5/2013 vom
19. Februar 2013 E. 2.6 f.; Domeisen, a.a.O., N. 7 zu Art. 420 StPO).
2.2 Die Beschwerdegegnerin begründet die Rückgriffnahme auf den
Beschwerdeführer damit, dass die Interventionsbehörden davon
hätten ausgehen müssen, dass der Beschwerdeführer akut an Leib
und Leben gefährdet gewesen sei. Indem dieser die SMS mit Suizid-
androhung versandt habe, habe er das vorliegende Verfahren
grobfahrlässig herbeigeführt, da er damit habe rechnen müssen, dass
die Interventionsbehörden bei ihm zu Hause Nachschau halten wür-
den. Gleichsam sei damit das gewaltsame Eindringen in die Wohnung
an der A. strasse in B. gerechtfertigt gewesen. Mithin wirft ihm die
Beschwerdegegnerin prozessuales Verschulden i.w.S. vor. Ein Rück-
griff gemäss Art. 420 lit. a StPO ist jedoch bei solchem ausgeschlos-
sen (vgl. E. 2.1). Folglich kann gegen den Beschwerdeführer kein
Rückgriff gestützt auf Art. 420 lit. a StPO erfolgen. Folglich fehlt es an
einer gesetzlichen Grundlage für einen Regressanspruch gegen den
Beschwerdeführer, weshalb der Beschwerdegegnerin dazu - wie es
beispielsweise der Kanton Basel-Stadt im Falle der Vorfinanzierung
von Türöffnungen durch die Kantonspolizei im Interesse einer Dritt-
person gemäss § 18 Abs. 1 Ziff. 5 lit. f der Verordnung vom 3. Juni
1997 betreffend die Kantonspolizei des Kantons Basel-Stadt (Polizei-
verordnung; SGS/BS 510.110) vorsieht - ausschliesslich der Zivilweg
offensteht. Die Beschwerde ist in diesem Punkt gutzuheissen. Ziffer 2
des Dispositivs der angefochtenen Verfügung ist ersatzlos aufzu-
heben.
