# PVG 2023 2 — Vocational Trainee Entitled to Integration Status Despite Social Assistance Dependency

**Geschäftsnummer:** PVG 2023 2
**Citation:** VG GR PVG 2023 2
**Gericht / Behörde:** Verwaltungsgericht (Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG))
**Entscheiddatum:** 2023-12-31
**Ausgang:** Gutgeheissen (Allowed)
**Canonical Legislator URL:** https://docs.legislator.ch/de/sources/court-decision/ch-gr/GR_VG_006_PVG-2023-2_2023-12-31/vocational-trainee-entitled-to-integration-status-despite-social-assistance-dependency
**Official Source URL:** https://entscheidsuche.gr.ch/tribunavtplus/ServletDownload/PVG_2023_2_ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd6097696256292655422b886e9af4bd1f5e8753c2fa4bbc8319ca278d7e14f25887189edc1bc0425c099a9488a18062b80f8de?path=ea3b182beef59b8c349185d9526f43b08ca2264ab0e2c0acca19b59adcd6097696256292655422b886e9af4bd1f5e8753c2fa4bbc8319ca278d7e14f25887189edc1bc0425c099a9488a18062b80f8de&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=PVG_2023_2
**Entscheidsuche Mirror:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2023-2_2023-12-31.pdf

## Zusammenfassung (Sachverhalt & Erwägungen)

The court found that an individual undertaking vocational training as an IT specialist, even while receiving social assistance due to a low apprenticeship wage, fulfilled the criterion for professional integration under immigration law because the law equates obtaining education with participation in economic life. The lower authority erred in its discretionary assessment by strictly requiring both professional integration (as participation in economic life) and immediate financial independence, while failing to apply subsequently adapted guidelines which specifically mitigate the impact of social assistance dependency for apprentices. The temporary financial dependence was deemed justifiable by the nature of the apprenticeship, and the current professional integration, confirmed by new internal directives, required that the criteria be deemed met.

## Leitsatz / Regeste

Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG i.V.m. Art. 77e Abs. 2 VZAE — Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG i.V.m. Art. 77e Abs. 2 VZAE: This provision established the legal criteria (professional integration and financial self-sufficiency) whose interpretation by the lower court constituted an abuse of discretion (Ermessensunterschreitung) leading to the decision.

## Rechtsfragen & angewandte Gesetzesbestimmungen

### 1. Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG i.V.m. Art. 77e Abs. 2 VZAE

This provision established the legal criteria (professional integration and financial self-sufficiency) whose interpretation by the lower court constituted an abuse of discretion (Ermessensunterschreitung) leading to the decision.

## Volltext des Entscheids

2/2 Migrationsrecht PVG 2023


      Migrationsrecht                                                                    2
      Dretg da migraziun
      Diritto della migrazione

2     Kriterium der beruflichen Integration und der finanziellen Selbständigkeit
      gemäss Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG i.V.m. Art. 77e Abs. 2 VZAE angesichts
      der Aufnahme einer Ausbildung als Informatiker EFZ mit
      Ausbildungsabschluss im Alter von 27 Jahren bei vorgängiger
      Berufstätigkeit als ungelernter Kellner.
        Gleichstellung von Erwerb von Bildung mit der Teilnahme am
         Wirtschaftsleben; Kriterium der beruflichen Integration i.S. vom Erwerb von
         Bildung deshalb erfüllt; Angewiesenheit auf Sozialhilfe und temporäre
         finanzielle Unselbstständigkeit, ist auf niedrigen Lehrlingslohn
         zurückzuführen und damit zu rechtfertigen (E.6.3.3).
           Angepasste Richtlinien der Härtefallkommission des AFM (Punkt. 4.3.b)
            legen den Schluss nahe, dass i.c. die berufliche Integration bzw. die
            vollständige Erfüllung dieses Kriteriums zu bejahen ist (E.6.3.4).
           Mit dem Beharren der Vorinstanz sowohl auf der beruflichen Integration i.S.
            der Teilnahme am Wirtschaftsleben als auch auf der Unabhängigkeit von
            Sozialhilfe i.S.v. Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG i.V.m. Art. 77e Abs. 2 VZAE sowie
            der späteren Nichtberücksichtigung der neuen Richtlinien begeht sie eine
            Ermessensunterschreitung (E.6.3.5).

      Criterio dell'integrazione professionale e dell'indipendenza finanziaria ai
      sensi dell'art. 58a cpv. 1 lett. d LStrI in combinato disposto con l'art. 77e
      cpv. 2 OASA in considerazione dell'inizio di una formazione come
      informatico AFC con completamento della formazione all'età di 27 anni e
      precedente impiego come cameriere non qualificato.
        Equiparazione dell'acquisizione di una formazione alla partecipazione alla
          vita economica; il criterio dell'integrazione professionale nel senso
          dell'acquisizione di una formazione è quindi soddisfatto; la dipendenza
          dall'assistenza sociale e la temporanea indipendenza finanziaria sono
          dovute al basso salario dell'apprendistato e possono quindi essere
          giustificate (consid. 6.3.3).
           Le nuove direttive della Commissione per casi di rigore dell'UMDC (punto
            4.3.b) suggeriscono che in casu l'integrazione professionale risp. il
            completo adempimento di questo criterio deve essere affermato
            (consid. 6.3.4).
           Insistendo sull'integrazione professionale nel senso della partecipazione
            alla vita economica nonché sull'indipendenza dall'assistenza sociale ai
            sensi dell'art. 58a cpv. 1 lett. d LStrI in combinato disposto con l'art. 77e


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2/2 Migrationsrecht PVG 2023


           cpv. 2 OASA e con la successiva mancata considerazione delle nuove
           direttive, l'istanza inferiore ha esercitato in maniera insufficiente il suo potere
           di apprezzamento (consid. 6.3.5).

Aus den Erwägungen:
        6.3.3. Die Argumentation des DJSG vermag nicht zu überzeugen. Weshalb in
casu das Kriterium der beruflichen Integration – wie es gesetzlich statuiert ist (Art. 58a
Abs. 1 lit. d AIG i.V.m. Art. 77e Abs. 2 VZAE) – nicht als vollständig erfüllt zu
qualifizieren wäre, ist nicht ersichtlich. Angesichts des eindeutigen Gesetzeswortlauts,
welcher den Erwerb von Bildung der Teilnahme am Wirtschaftsleben gleichstellt, erfüllt
der Beschwerdeführer offensichtlich das Kriterium der beruflichen Integration i.S. vom
Erwerb von Bildung (Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG i.V.m. Art. 77e Abs. 2 VZAE), da er die
Ausbildung als Informatiker EFZ absolviert. Dass er dabei auf Sozialhilfe angewiesen
ist und finanziell noch unselbstständig ist, ist auf den niedrigen Lehrlingslohn
zurückzuführen und damit zu rechtfertigen. Es kann zudem davon ausgegangen
werden, dass sich der Beschwerdeführer mit dem Abschluss der Lehre von der
Sozialhilfeabhängigkeit befreien wird. Ungeachtet der angepassten Richtlinien und der
bestehenden Sozialhilfeabhängigkeit bzw. nur gestützt auf die gesetzliche Regelung
wäre die berufliche Integration des Beschwerdeführers somit zu bejahen gewesen.
Was die Ausrichtung der Prämie wegen der ausgezeichneten Integration betrifft, ist
lediglich anzumerken, dass es tatsächlich widersprüchlich erscheint, den
Beschwerdeführer für die geleisteten Integrationsbemühungen zu belohnen und
zugleich im Rahmen der Beurteilung seines Härtefallgesuchs das Integrationskriterium
als nicht vollständig erfüllt zu qualifizieren. Es könnte zwar stimmen, dass die
Ausrichtung von Prämien für eine gute Integration nicht zwangsläufig zur Gutheissung
eines Härtefallgesuchs führen muss – im Fall vom Beschwerdeführer stosst diese
Vorgehensweise aber an seine Grenzen und kann im Hinblick auf die obigen
Ausführungen nicht als vertretbar betrachtet werden.
       6.3.4. Die nun angepassten Richtlinien der Härtefallkommission des AFM
(Punkt. 4.3.b) legen umso mehr den Schluss nahe, dass die berufliche Integration des
Beschwerdeführers bzw. die vollständige Erfüllung dieses Kriteriums zu bejahen ist.
Angesichts der Absolvierung der Lehre und des Praktikums sowie der früheren
Tätigkeit als Kellner gibt die zeitliche Komponente, welche von den Richtlinien
vorgeschrieben ist (vgl. Punkt 4.3.b), zu keinen Bemerkungen Anlass. Die neuen
Richtlinien     bestätigen  zudem,      dass   die   Sozialhilfeabhängigkeit     des
Beschwerdeführers in der Gesamtwürdigung bzw. bei der Prüfung der
Härtefallkriterien als unbeachtlich gilt, da er als Lehrling vom Grundsatz der
Sozialhilfeunabhängigkeit ausgenommen ist.


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2/2 Migrationsrecht PVG 2023


       6.3.5. Das Beharren des DJSG sowohl auf der beruflichen Integration i.S. der
Teilnahme am Wirtschaftsleben als auch auf der Sozialhilfeunabhängigkeit, ist
vorliegend nicht nachvollziehbar und findet keine Rechtfertigung. Im Absehen von den
gesetzlichen Bestimmungen, welche den Erwerb von Bildung der Teilnahme am
Wirtschaftsleben gleichstellen (Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG i.V.m. Art. 77e Abs. 2 VZAE),
sowie in der späteren Nichtberücksichtigung der neuen Richtlinien ist somit eine
Ermessensunterschreitung seitens des DJSG zu erblicken.

U 22 27                                                         Urteil vom 6. Juni 2023




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